07.08.2026 | DRK-Kreisverband

Volle Konzentration, großes Herz: Unsere Ehrenamtlichen auf der ILA

Wenn sich die Tore der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung öffnen, blicken Zehntausende gebannt in den Himmel über Berlin. Was viele Besucher dabei kaum bemerken: Mitten im Trubel der Flugschau sorgen unsere Ehrenamtlichen dafür, dass im Ernstfall sofort jemand da ist und hilft – damit aus einem aufregenden Tag kein Notfall wird.

Wochen, bevor der erste Jet abhebt

Der Einsatz beginnt lange, bevor überhaupt ein Flugzeug zu sehen ist. Schon über eine Woche vor der Eröffnung, während auf dem Gelände noch ganze Ausstellungshallen, Zelte und sogar Containerhäuser aus dem Boden gestampft werden, sind unsere Ehrenamtlichen vor Ort. Und auch nach dem letzten Flugtag geht es weiter: Bis der Rückbau abgeschlossen ist, vergehen noch einmal vier Tage. Unterm Strich kommen allein für Auf- und Abbau rund 720 Einsatzstunden zusammen – dazu weitere 40 bis 60 Stunden, die im Vorfeld allein in die organisatorische Vorbereitung fließen – Zahlen, die zeigen, welch enormer Kraftakt hinter wenigen Ausstellungstagen steckt.

Ein kleines Krankenhaus mitten auf dem Flugfeld

Auf dem Gelände selbst entsteht ein Medical Center: ein Zelt mit Behandlungsraum, Ruheraum und Schockraum, dazu Verpflegungslager, Aufenthaltsraum und Büro. Ergänzt wird das Ganze durch einen weiteren Sanitätsraum in einer der Hallen sowie einen Container ganz hinten auf dem Flugfeld, am Static Display – auch dort steht eine Liege bereit, falls jemand Hilfe braucht. Ein Rettungswagen und ein Krankentransportwagen sind ständig einsatzbereit, dazu ein Einsatzleitungsfahrzeug und ein Notarztfahrzeug. Und mittendrin: unser Logistik-Sprinter, der während der ILA-Tage rund 700 Kilometer zurücklegt – er bringt Verpflegung für rund 60 Einsatzkräfte, holt Kameraden von den Parkplätzen ab und ist immer da, wenn irgendwo etwas fehlt.

Zwischen 51 und 55 Menschen, die einfach da sind: Mehr als ein Einsatz – eine Gemeinschaft

Während der eigentlichen Messetage sind täglich zwischen 51 und 55 Einsatzkräfte im Dienst – von 8:30 bis 18 Uhr – eine lange, aber gut mit Pausen versehene Schicht. Zwei Notärzte gehören fest dazu. Der Großteil des Teams besteht jedoch aus Ehrenamtlichen:  Sanitäter, Fernmelder, Logistik, Einsatzleitung und Registrierung. Sie alle kommen aus dem gesamten Kreisverbandsgebiet – und nicht nur von dort: Auch der Partnerkreisverband aus Paderborn und Helfer aus dem Harz reisten eigens für die ILA an, ebenso Kräfte der Johanniter. Bemerkenswert dabei: Viele von ihnen wohnen weit entfernt – und kommen trotzdem, weil sie einmal dabei waren und seitdem nicht mehr loskommen. Wer einmal dabei war, will offenbar unbedingt wiederkommen: „Ich weiß jetzt schon, wann ich in zwei Jahren wieder Urlaub nehmen muss, um bei der ILA dabei zu sein“, war eine der Aussagen aus dem Team. Auch ein Notarzt, der eigentlich nur aushalf, fragte am Ende, mit wem er sprechen müsse, um in zwei Jahren wieder dabei sein zu dürfen. Und das alles ehrenamtlich. Wer mitmacht, nimmt sich dafür Urlaub oder nutzt seine dienstfreien Tage. Eine ganze Woche Zeit, Energie und Herzblut – freiwillig investiert.

Über 40.000 Schritte Streife laufen

Wer während der ILA unterwegs ist, patrouilliert mit Rucksack, AED (Automatisierter Externer Defibrillator) und Funkgerät über das weitläufige Gelände, wird per Notruf über die Einsatzzentrale zu Hilfeleistungen geschickt oder direkt vor Ort angesprochen. Manche Kräfte kamen dabei auf geschätzte 40.000 Schritte am Tag – ein Beleg dafür, wie viel Bewegung und Präsenz hinter der Sicherheit auf dem Gelände steckt. Und ja, es gibt auch die kuriosen Begegnungen: Ein Vater, der sich nach einer Rettungsdienst-Ausbildung erkundigt. Ein Kind, das fragt, ob es auf die stahlkappenbewehrten Einsatzstiefel treten darf. Und – bei strömendem Regen – erstaunte Besucher, die sich fragen, warum ausgerechnet die Wasserwacht mitten auf dem Flugfeld steht. Apropos Wetter: In diesem Jahr war die ILA außergewöhnlich ruhig. Statt der sonst üblichen 30 Grad im Schatten, bei denen der Kreislauf schon mal streikt, gab es Regen und kühle 20 Grad – und entsprechend deutlich weniger Behandlungen als in den Vorjahren.

Ein Staffelstab wird weitergereicht

Nach 17 ILA-Einsätzen übergab Detlef Pudlitz – seit vielen Jahren das Gesicht unseres Engagements bei der ILA – offiziell die Verantwortung. Die Übergabe fand feierlich im Operation Center statt, im Beisein von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr: Als neue Einsatzleiterin für die Sanitätsdienste bei der ILA wurde Julia Genßler vorgestellt: ein Generationenwechsel, der zeigt, wie viel Erfahrung, Vertrauen und Kontinuität in diesem Engagement steckt – und wie gut es gelingt, dieses Wissen weiterzugeben.

Lust, beim nächsten Mal dabei zu sein?

Die nächste ILA findet vom 17. bis 21. Mai 2028 statt. Wer sich ehrenamtlich engagieren und für den Sanitätsdienst qualifizieren möchte, braucht in der Regel eine Ausbildung zum Rettungssanitäter (die Sanitätsdienstausbildung der Rettungssanitäter dauert drei Monate in Vollzeit) sowie die Einsatzkräfte-Grundausbildung. Wer motiviert ist und die Kurse rechtzeitig belegt, kann das durchaus in einem knappen halben Jahr schaffen – und dann selbst erleben, was so viele unserer Ehrenamtlichen an diesem Einsatz lieben: das Gefühl, gebraucht zu werden, gemeinsam Verantwortung zu tragen – und nebenbei aus nächster Nähe dabei zu sein, wenn der Himmel über Berlin zur Bühne wird.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die in diesem Jahr wieder dabei waren – für ihre Zeit, ihre Energie und ihren Einsatz weit über das übliche Maß hinaus.

Julia Genßler

© DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V.