25.08.2022 | sas oberschule rangsdorf

„Dachlattenprojekt“ an der Oberschule Rangsdorf – ein eindrucksvolles Beispiel für wirksame Schulsozialarbeit

Es ist geglückt: Nach einem schwierigen und langwierigen Marathon der Finanzierungsbeschaffung, konnte über die Sozialarbeit im Juni mit 60 Schülern der 7. bis 9. Klassen der Oberschule Rangsdorf unser "Dachlattenprojekt“ durchführen. Dabei unterstützten uns in der fachlichen Leitung der Künstler Abdou Diatta und die Lehrerin Sylke Hobitz aus dem Fachbereich Kunst.

Wie kam es dazu?
Im Laufe des Schuljahres wurden von vielen Schülern aus unterschiedlichen Jahrgängen dem Bereich der Sozialarbeit gegenüber immer wieder Wünsche und Sehnsüchte geäußert: nach mehr Zusammenhalt, nach besserer Zusammenarbeit in den Klassen und nach einem besseren persönlichen Gesehen werden. Spürbar war das Verlangen nach individueller Teilhabe in der Gemeinschaft. Dieses Projekt bot die Chance, an diesen Wünschen zu arbeiten.

Geordert wurden für den Beginn 430 Dachlatten a‘ 4 m, 8.000 Schrauben in unterschiedlichen Längen und etwas Holzleim. Was wird man wohl mit diesem Material machen können? Wirklich vorstellen konnte sich das keiner. Als am ersten Projekttag alle Schüler zum ersten Mal zusammenkamen, ging es genau um diese Fragen. Abdou Diatta zeichnete auf, wie aus Dreiecken und Vierecken Körper entstehen können. Erste Ideen entwickelten sich. Interessiert waren die Kids u.a. am Bau eines Skorpions, einer Eidechse, eines Wolfs, eines Hais, einer Taube, eines Wals, einer Katze, eines Flugzeugs, ….

Mit Bildung der vier Gruppen nach Jahrgängen, hieß es, sich zu entscheiden. Dabei stellte sich heraus, dass zwei Gruppen Schwierigkeiten hatten, dies offen als Gruppe zu verhandeln. Schwierig war vor allen, dass die Befürworter einer Idee für ihre Idee werben und versuchen, die anderen Teilnehmer zu überzeugen. Auch war ein gemeinsames Ringen um mögliche Kompromisse nicht wirklich spürbar. Trotzdem gelang es letztendlich, erste Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie vereinzelt zu Unlustgefühlen zu führen schienen.

Gesagt, getan und losgelegt
Alle Gruppen erhielten ihr Material und erste Anweisungen. Beeindruckend unterstützt wurden die Schüler von ihren Elternhäusern. Viele stellten Sägen und Akkuschrauber mit Netzteilen zur Verfügung. Auch die Oberschule hat mit ihrem Werkraum einiges zu bieten, so dass alle Jugendlichen vorbereitend gemeinsam zu sägen beginnen konnten. Ebenso trafen sich Zeichner und Planer. Erste Entwürfe entstanden. Uns Anleitenden bereitete es viel Freude, den Schülern beim Gestalten zuzusehen. Es entstanden teilweise für alle spürbare, schwungvolle und positiv mitreißende Energien. Eigenständig besprachen sich z.B. die Siebenklässler und organisierten ihren „Arbeitsalltag“. Jeder brachte am nächsten Tag etwas an Obst, zum Naschen oder zum Knabbern mit. Sie besprachen die Vorbereitung der Esswaren in der Schulküche und den Abwasch des Geschirrs am Ende des Tages.

Wunderbare Gestaltungen entstanden.
Das Wachsen der Formen konnten alle wahrnehmen und der Umgang mit den damit einhergehenden Herausforderungen beeindruckte uns alle. Denn wem ist bereits eine solch schwungvolle Rundung zur Sichtbarwerdung des Haies geglückt? Der Stolz auf diese Leistung war deutlich zu spüren.

Allerdings gingen damit auch andere Erfahrungen einher
Scheinbar konnten die Schüler dieses Gefühl nicht dauerhaft halten – im Abschlussaustausch schien es blockiert. Die bestehende Gesprächskultur schien immer wieder Aushandlungsprozesse und eine Teilhabe aller zu verhindern. Kränkungen sowie Rückzüge verschiedener Schüler wurden immer wieder wahrnehmbar. Eigenständig erfolgte häufig keine Ansprache des persönlichen Empfindens. Überraschenderweise zog sich eine Gruppe fast fluchtartig zurück. Im darauffolgenden Gespräch wurde sehr berührend spürbar, wie wenig sie sich in ihrem Erreichten wertgeschätzt fühlten, wie wenig Selbstvertrauen in ihrem Erreichten lag! Dabei hatten sie mit viel Mühe und Ausdauer nach dem Gespräch mit dem Künstler Abdou die Mähne des Löwen aufgebaut. Ihr Löwe wurde mehr und mehr sichtbar. Abdou erklärte nun den nächsten Schritt, der für die Schüler ihrem ersten Empfinden nach jedoch ein „Rückschritt“ bedeutete. Mit einer elektrischen Säge teilte er nämlich verschiedene Hölzer der Mähne. Daraufhin wurden zunehmende Spannungen spürbar. Niemand schien sich scheinbar den weiteren Weg vorstellen zu können, niemand hinterfragte, keiner äußerte direkt seine Gefühle. Erst mit Abstand und im Rückzug der Gruppe schien Erlebtes mitteilbar: „… es hat so viel Arbeit gekostet. Und nichts war richtig. … So viel haben wir umsonst gearbeitet … Immer ist es falsch ...“ Wieviel Kraft mag es gekostet haben, Abdou schließlich anzusprechen? Eine Klärung wurde möglich. Es wurde ein wunderbarer Löwe!

Mit viel Humor wurde der Gorilla einer Gruppe von Schülern der 9. Klassen gestaltet. Die Augen sind durch zwei eingebaute Lämpchen und einer Batterie auch im Dunkeln sichtbar. Für die Umsetzung der Idee über eine Bohrung im geschaffenen Geschlecht, Wasser spritzen zu lassen, fehlte möglicherweise das letzte Quäntchen Mut und damit leider auch scheinbar das Vertrauen, dass wir es „verkraften“. Und doch konnte in der Abschlussrunde darüber berichtet werden. In diesem Moment verband uns ein gemeinsames Lachen.

Inzwischen stehen entstandenes Einhorn, der Gorilla, der Löwe, der Hai und das Flugmodell SG 38 im äußeren Bereich vor der Schule und begrüßen uns alle beim Gang in die Schule.

Beeindruckend sind alle Gestaltungen
Schön war dem Entstehen und Wachsen der Formen zuzusehen sowie den unterschiedlichen Wegen der Farbgestaltung. Jede Gruppe diskutierte diese, gemeinsam legten sie das Material fest, was hierfür benötigt wird. Aus jeder Gruppe kam ein Schüler mit, um vor Ort für die Gruppe den gewünschten Farbton zu entscheiden. Im Künstler-Großhandel „Boesner“ und im Baumarkt wurden gemeinsam Preise verglichen, Farbnuancen abgewägt und über entdeckte Eigenschaften des Materials diskutiert. An der Kasse gab jeder seine Einschätzung ab, wie hoch der Betrag sein wird.

Herzlichen Dank den vielen unsichtbaren Akteuren, die uns die Durchführung unseres Dachlattenprojektes ermöglichten! Herzlichen Dank unserem Hauptunterstützer Eduard Bunescu-Fay von der terraplan Immobilien- und Treuhandgesellschaft mbH! Als Herr Fay hörte, dass wir die Plätze auslosen wollen, da wir mehr Anmeldungen als Plätze hatten – erhöhte er den Spendenbetrag. So konnte eine vierte Gruppe mit 15 Schülern gebildet werden. Ebenso gilt der Dank Marion Genth vom Förderverein, für ihr Managen der Gelder, Stephan Krause vom Stekra Holzhandel & Eisenwaren, für seinen Preisnachlass bei den Dachlatten von 25 % und seine kostenlose Lieferung des Materials von Zossen OT Dabendorf, Jeannette Averhaus und Ursula Hüttelmeyer aus dem Rathaus der Gemeinde Rangsdorf und Mandy Weisheit, unserer DRK-Koordinatorin Jugend(sozial)arbeit Nord/ West des DRK für ihre Unterstützung bei den vielen organisatorischen Anliegen solch eines Projektes, Annett Meincke und dem gesamten Kollegium sowie den Schülern der Oberschule für die umfangreiche Unterstützung und den z.T. persönlichen Verzicht für die Umsetzbarkeit und Durchführung unseres „Dachlattenprojektes“.

Herzlichen Dank Abdou Diatta und Sylke Hobitz für dieses Erlebnis. Spürbar wurde, wie wertvoll diese Art des gemeinsamen Arbeitens ist. Und wie dringend auch diese Formen des miteinander Gestaltens im Schullalltag gebraucht werden! Sichtbar für mich persönlich wurde, wo meine Arbeitsschwerpunkte in der Sozialarbeit an der Oberschule im kommenden Schuljahr liegen werden.

© DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V.